Politischer Martini in Wolfegg

Veröffentlicht am 25.11.2015 in Kreisverband

Beim politischen Martini der SPD in Wolfegg (von links): die Ravensburger SPD- Landtagskandidatin Heike Engelhardt, Redner Florian Pronold, der Biberacher SPD- Bundestagsabgeordnete Martin Gerster, Christian Röhl, SPD- Landtagskandidatat für den Wahlkreis Biberach 
Foto: Christoph Stehle

 

Bericht der Schwäbischen Zeitung vom 23.11.2015

von Christoph Stehle

Staatssekretär hält Integration für machbar

130 Gäste kommen zum Martini- Treffen der hiesigen Sozialdemokraten nach Wolfegg

Wolfegg/ sz  Viele, auch kleine, Schritte sollen dazu beitragen, die Flüchtlingsunterbringung und den Wohnungsbau ganz allgemein zu fördern. Bayerns SPD- Landeschef Florian Pronold hat sich beim „Politischen Martini“ in Wolfegg mit pragmatischen Ansätzen profiliert.

Gerade jetzt sei es wichtig, sich angesichts der Herausforderungen durch den Zuzug der Flüchtlinge „ins Gelingen zu verlieben“. Dieses Gelingen bezog Florian Pronold beim regionalen Treff der oberschwäbischen SPD in Wolfegg auf praktische Fragen wie die Sprachförderung, die Integration in die Kommunen und die Vermittlung von Arbeitsstellen. Als Staatssekretär im Bundesbauministerium konzentrierte er sich natürlich in erste Linie auf Fragen der Unterbringung und der Wohnbau- förderung. Und möglicherweise – das schimmerte in manchen Ausführungen durch – könnten die aktuellen Herausforderungen dazu beitragen, dass es künftig fürs Bauen weniger strikte Einschränkungen gibt.

Gerster dankt Ehrenamtlichen

Er war ein Tag der Bilanz. Denn in bäuerlichen Gesellschaften endete das Wirtschaftsjahr mit Martini. In diesem Sinne hatte Rudolf Bindig, der die SPD bis 2005 in Bundestag vertrat, für die oberschwäbische Sozialdemokratie den „Politischen Martini“ eingeführt. Diese Tradition setzt nun der aus Biberach kommende Abgeordnete Matin Gerster fort, der wieder nach Wolfegg in die „Post“ eingeladen hat. Dieses Jahr kamen an die 130 Gäste aus der Region, um sich von Pronold über Fragen der „Flüchtlingsintegration in der Praxis“ zu informieren.

Der 42- jährige niederbayerische Jurist brachte Erfahrungen als Gemeinde- und Kreisrat in Deggendorf mit ein, als er 2002 in den Bundestag einzog. Seit 2009 steht er der oppositionellen SPD in Bayern vor, seit Dezember 2013 ist er in Berlin Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

In seiner Einführung verwahrte sich Martin Gerster gegen immer wieder geäußerte Polemik, die Verbindungen zwischen den Flüchtlingen und den jüngsten Terroranschlägen in Paris und Bamako konstruieren wolle. Die Flüchtlinge seien vor genau diesem Terror geflohen. Mit Blick auf Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge dankte er den Ehrenamtlichen in den Kommunen, ohne die der Staat wohl überfordert wäre.

Zur Einstimmung skizzierte Bürgermeister und Kreisrat Peter Müller (CDU) die Situation in Wolfegg mit seinen 3500 Einwohnern. Derzeit leben dort 24 Flüchtlinge, bis Mitte 2016 werden es an die 100 sein. Müller wünscht sich Erleichterungen im Baurecht, um die Unterbringung dezentral umsetzen zu können. Pronold erwies sich als an der Sache argumentierender Redner, der die Komplexität zu gut kennt, um vollmundig Versprechungen abzugeben. Abgesehen von seinem Sticheln gegenüber dem CDU- geführten Finanzministerium ging Pronold mit dem Koalitionspartner pfleglich um.

Man kann die Herausforderungen bewältigen. Das war seine zentrale Botschaft, zumal sich Deutschland derzeit in einer starken wirtschaftlichen Position befinde. Er betonte, den Bedarf an Flüchtlingsunterkünften nicht isoliert zu betrachten, sondern ihn in Zusammenhang mit der derzeit wieder forcierten Wohnungsbauförderung zu stellen. Pronold sieht einen Bedarf an 400 000 zusätzlichen und bezahlbaren Wohnungen, seien es reguläre Miet- oder subventionierte Sozialwohnungen.

Wohnungsbauförderung sinnvoll

So hat die Bundesregierung die Mittel für die jährliche Soziale Wohnraumförderung jüngst auf eine Milliarde Euro verdoppelt. Für sinnvoll erachtet Pronold auch zusätzliche steuerliche Förderungen für den Mietwohnungsbau. Er will sich für Anreize einsetzen, damit vermehrt privates Kapital als Vermögensanlage durch Investitionen in den Wohnungsbau fließt. Für sinnvoll erach- tet er auch, wenn die Länder vermehrt Anreize für kommunale Woh- nungsbaugesellschaften zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus sprach Pronold auch die Notwendigkeit an, das Bauen durch den Abbau von Hindernissen zu erleichtern und so wieder zu verbilligen. So habe der Bund es nun ermöglicht, Wohnraum – wenn auch nur zeitlich befristet – in Gewerbegebieten zu ermöglichen. Es sei denkbar, dass es noch mehr Beispiele für solche Liberalisierungen gibt. Allerdings seien die meisten dieser Vorschriften für das Bauen entstanden, um andere politische Ziele durchzusetzen, seien es ökologische oder städtebauliche Anliegen oder solche des Brandschutzes.

Zudem berichtete Pronold, dass nunmehr angesichts des dringenden Bedarfs Innovationen im Bauwesen schneller eingeführt werden. Er erwähnte beispielsweise den Rückgriff auf industriell vorgefertigte Wandteile, die es nun auch aus Holz und Ziegeln gebe.

Erschienen: SZ  vom 23.11.2015

Homepage SPD Kreisverband Ravensburg

Jetzt Mitglied werden

Neuigkeiten

07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de