„Die SPD brauchen wir“

Veröffentlicht am 05.04.2013 in Kreisverband

Hans Pscheidl schraubt mit dem Akku zwei historische Wahlplakate zusammen. (Foto: Rau)

Ortsverein Isny feiert seinen 100. Geburtstag mit Ausstellung und Empfang
Isny SPD-Stadträtin Gabriele Kimmerle gerät angesichts des üppigen Materials für die Ausstellung „100Jahre SPD Isny“ ins Schwärmen: „„Da sind tolle Dokumente dabei.“ Mit den beiden Urgesteinen der Isnyer Sozialdemokratie, Walter Bühler und Hans Pscheidl, sowie Johannes Ringwald baut sie die Ausstellung in der gotischen Halle im Rathaus auf.

Da stehen nun „rote“ Wahlplakate vor historischer Wandmalerei, waschkörbeweise alte Dokumente und Bücher, die Pscheidl und Bühler gesammelt haben und einige bedeutende Dokumente aus dem städtischen Archiv gilt es zu präsentieren. Sogar in London gedruckte Originalblätter „Der Sozialdemokrat“ von 1890 sind vorhanden. Die konnten damals nur unter der Hand in Deutschland verteilt werden.

Dann fördert Bühler noch einen „Vorwärts“ vom 28. Februar 1933, in dem über den Reichstagsbrand berichtet wird und einen Protokollband vom Parteitag im September 1909 zutage. Es ist deutsche Geschichte über hundert Jahre, die hier lebendig wird, nicht nur Parteigeschichte. Mit den beiden 85-Jährigen Bühler und Pscheidl haben sich zwei langgediente Sozialdemokraten dieser Geschichte gewidmet. 1918 hat es in Isny schon 80 Mitglieder gegeben und 1919 wurden zwei von ihnen in den Stadtrat gewählt. Bühler vermutet, dass ein großer Teil dieser Sozialdemokraten Soldaten der damals einquartierten Sicherheitskompagnie waren. Von 1933 gibt es ein Dokument, das die Auflösung des Ortsvereins durch die Nationalsozialisten belegt.

Bühler hat die Sozialdemokratie in Schweden kennengelernt, wo er 1950 arbeitete. Er musste dort in die Gewerkschaft, „sonst hätte ich keinen Hammer anfassen dürfen“. Das sozialdemokratische Gedankengut hat ihn überzeugt und er trat 1962 in die SPD in Isny ein, Pscheidl ein Jahr darauf. Erstaunlicherweise besetzten Mitglieder der Ortsgruppe schon 1946 vier von zehn Gemeinderatsplätzen, wie Bühler erzählt. „Durch den Lehrer Heider bekam die SPD damals ihren intellektuellen Touch“, weiß er zu berichten.

Beide ehemalige Vorsitzende hatten immer das kommunale Geschehen im Blick und auch die bürgerlichen Wähler. So war Bühler war nicht nur 20 Jahre Ortsvereinsvorsitzender sondern von 1965 bis 1989 Gemeinderat und neun Jahre davon im Kreistag. Für den sehr aktiven Gewerkschafter Hans Pscheidl war die Ablehnung der bereits fertig geplanten B12-Umgehung im Gemeinderat die Initialzündung für den Eintritt in die Partei und die Kandidatur für den Gemeinderat, dem er von 1965 bis 1994 angehörte. 24 Jahre war Hans Pscheidl zudem Kreisrat.

Otto Ziegler ist seit fünf Jahren Vorsitzender des SPD-Ortsvereins

Kreisrat war Otto Ziegler nie. Immerhin fünf Jahre (1989-94) saß er dafür im Isnyer Gemeinderat, ebenso lange ist Ziegler inzwischen Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, der 85 Mitglieder zählt.

Wofür die SPD in Isny steht? „Soziales Engagement mit dem Umweltgedanken verbinden“, antwortet Ziegler. Die wichtigsten Anliegen des Ortsvereins? Etwa die Altstadtsanierung inklusive der Situation am Marktplatz, den Ziegler als „gute Stube Isnys“ bezeichnet, die Verkehrssituation am Wassertor, eine „schwierige Geschichte“ oder die sogenannte Notdienstversorgung, bei der Isny Ärzte eine „Insellösung“ anstreben.

Bei der Frage nach seinen Gedanken zum Jubiläum verweist Ziegler auf einen Satz in seinem Grußwort, das in der jüngsten Ausgabe des Informationsblatts „Der rote Punkt am Schwarzen Grat“ unter dem von Sigmar Gabriel, dem SPD-Bundesvorsitzenden, steht: „Wir bedanken uns bei allen, die uns bisher auf vielfältige Weise unterstützt haben und hoffen, dass es uns auch künftig gelingt, durch die Politik der Bürgernähe Ihr in uns gesetztes Vertrauen zu erhalten.“ Das treffe den Kern des Anspruchs des SPD-Ortsvereins, immer „nah am Menschen“ zu sein. Damit die Isnyer auch in Zukunft sagen: „Die SPD brauchen wir.“

Zwei große Anliegen hat Otto Ziegler im Jubiläumsjahr: Dass sich baldmöglichst in Isny eine Juso-Gruppe für den Nachwuchs gründet und der SPD-Ortsverein noch vor Jahresfrist die 100-Mitglieder-Marke übersteigt.

Die Ausstellung „100 Jahre in Isny – 150 Jahre soziale Demokratie in Deutschland“ wird morgen, Freitag, offiziell um 17 Uhr in der gotischen Halle im Rathaus Isny eröffnet. Am Dienstag, 9. April, ist um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal im Rathaus ein Empfang anlässlich des Jubiläums des Isnyer SPD-Ortsvereins. Die Festrede unter dem Motto „Für Isny und Oberschwaben – gute Zukunft – starke SPD“ hält der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner. (mp)

04.04.2013 Von Barbara Rauund Michael Panzram

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