Von Weizsäcker beschreibt beim Dreikönigstreffen der SPD Wege aus der Klimakrise
„Unser Ressourcen-Verbrauch ist viel zu groß.“ Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD) braucht keine großen Worte, wenn es darum geht aufzuzeigen, warum die Welt geradewegs auf eine Klima-Katastrophe zusteuert. Dabei wäre das Repertoire an komplizierten wissenschaftlichen Formulierungen, das der renommierte Physiker und Biologe bemühen könnte, mit Sicherheit schier unendlich. Doch von Weizsäcker mag’s offensichtlich deutlich, zumindest als Hauptredner beim Dreikönigstreffen der Langenargener Sozialdemokraten im Münzhof. Dort beeindruckte der Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) gestern Vormittag mit klaren Ansagen wie: „Wenn alle sieben Milliarden Menschen nach amerikanischem Stil leben würden, bräuchten wir vier oder fünf Erdbälle.“
„Unser Ressourcen-Verbrauch ist viel zu groß.“ Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker braucht keine großen Worte, wenn es darum geht aufzuzeigen, warum die Welt geradewegs auf eine Klima-Katastrophe zusteuert. Dabei wäre das Repertoire an komplizierten wissenschaftlichen Formulierungen, das der renommierte Physiker und Biologe bemühen könnte, mit Sicherheit schier unendlich. Doch von Weizsäcker mag’s offensichtlich deutlich, zumindest als Hauptredner beim Dreikönigstreffen der Langenargener Sozialdemokraten im Münzhof. Dort beeindruckte der Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) gestern Vormittag mit klaren Ansagen wie: „Wenn alle sieben Milliarden Menschen nach amerikanischem Stil leben würden, bräuchten wir vier oder fünf Erdbälle.“
Den Kapitalismus reformieren
Und weil von Weizsäcker nicht nur Wissenschaftler ist, sondern unter anderem von 1998 bis 2005 für die SPD im Bundestag saß, sieht er besonders die Politik in der Pflicht: „Wenn wir weiterhin nach Werten wie Freiheit oder Gerechtigkeit leben wollen, muss der Kapitalismus reformiert werden.“ Schließlich sei die Gefahr für die Umwelt nicht allein ökologisch bedingt, sondern habe auch eine ökonomische Dimension, „die daraus resultiert, dass man die Sorgfalt nicht einhält“.
Einen Weg aus dem Dilemma stellt der Professor in seinem neuen Buch „Faktor 5 – die Formel zu nachhaltigem Wachstum“ vor, dessen Hauptaussage er mit an den Bodensee gebracht hat: „Wir müssen mindestens fünfmal so effizient werden im Umgang mit knappen Ressourcen und Energie wie bisher.“ Dazu sollten in Wirtschaftsbereichen mit dem höchsten Energieverbrauch und den größten Treibhausgas-Emissionen alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um „fünfmal so viel Wohlstand aus einer Kilowattstunde, einer Tonne Kupfererz oder einem Kubikmeter Wasser rauszuholen“. Technisch sei das machbar, versicherte von Weizsäcker. „Der Grund, warum das bisher nicht geschieht, ist, dass die Industrie-Lobby für sich immer wieder privilegierte Strompreise durchsetzt.“
Norbert Zeller, der SPD-Landtagsabgeordnete des Bodenseekreises, der beim Dreikönigstreffen zum Thema „Baden-Württemberg vor der Entscheidung“ sprach, steht ebenfalls unter Strom. Und das vor allem, weil er nach der Wahl am 27. März wieder in das Parlament in Stuttgart einziehen will. Außerdem beschäftigt ihn, dass das Land 45 Prozent der Anteile am Energieversorger EnBW übernimmt, und die schwarz-gelbe Regierung angekündigt hat, diese Zug um Zug an die Börse zu bringen. „Das wäre ein riesiger Fehler“, betonte Zeller. „Dort geht es nur um kurzfristige Aktionärsgewinne und darum möglichst viel rauszuholen.“
„Von Atomenergie wegkommen“
Hingegen gelte es für das Land jetzt, aktive Energiepolitik zu betreiben. Und die kann für den Abgeordneten nur so aussehen wie die der SPD: „Wir haben auf Landesebene ein Energieleitszenario entwickelt, das auf Sonnen-, Wasser- oder Windkraft setzt und dessen Kernpunkt ist, von der Atomenergie wegzukommen.“ Die SPD gebe aber nicht nur im Bereich der Nachhaltigkeit den Ton an und biete mehr als die jetzige Regierung, lautete das Fazit des Kreisvorsitzenden der Sozialdemokraten, Jochen Jehle. Er ist sich sicher: „Sachlich und politisch spricht in Baden-Württemberg alles für einen Regierungswechsel.“
(Erschienen: 07.01.2011 07:00 SZ on Tanja Poimer)